Erfahrungsbericht Salome
Erfahrungsbericht Salome
Wie alt bist Du und wo befindest Du Dich gerade auf Deinem Bildungsweg?
Ich bin 29 Jahre alt und stehe kurz vor dem Abschluss meines Doktorats in Neurowissenschaften. Davor habe ich einen Bachelor und einen Master in Biomedizin gemacht.
Wie hast Du herausgefunden, dass Du eine Lernstörung hast?
Bei mir wurde zur Einschulungszeit Legasthenie festgestellt. Da mein Vater ebenfalls betroffen ist und meine Mutter bereits in meiner frühen Kindheit entsprechende Anzeichen bemerkt hatte, kam diese Diagnose nicht überraschend.
Was waren und sind Deine größten Herausforderungen in Bezug auf die Lernstörung?
Da bei mir schon früh Legasthenie festgestellt wurde und ich daraufhin sechs Jahre lang zur Logopädie ging, habe ich gelernt, damit umzugehen und Strategien zu entwickeln, um diese Beeinträchtigung bestmöglich zu kompensieren. In der Primarschule fiel mir dies am schwersten, da ich damals deutlich bemerkte, dass ich im Vergleich zu den anderen Kindern mehr Schwierigkeiten hatte und erheblich mehr Aufwand betreiben musste bei allem, was mit Sprache zu tun hatte. Das zeigte sich zum Teil sogar in Mathematik bei Textaufgaben. Mit den Jahren wurden Schule und Ausbildung jedoch zunehmend leichter für mich. Einerseits konnte ich einen Teil meiner Schwierigkeiten durch die erlernten Strategien und viel Üben kompensieren, andererseits konnte ich mich später auf die Fächer fokussieren, die mir leichter fielen.
Heute merke ich meine Legasthenie vor allem daran, dass ich eine eher langsame Leserin bin und teilweise zu Konzentrationsproblemen neige, wenn ich viel und schnell lesen muss. Mit der Rechtschreibung habe ich meistens kein Problem mehr, ausser dass ich manchmal Buchstaben vertausche oder auslasse und mir das Lernen von Fremdsprachen schwerfällt. Zum Glück gibt es heute genügend technologische Hilfsmittel, die mich dabei unterstützen.
Was hilft Dir in Bezug auf Deine Lernstörung?
Ich habe kürzlich festgestellt, dass es mir beim Lesen für die Arbeit/Studium, insbesondere dann, wenn ich viel und schnell lesen muss, am leichtesten fällt, wenn ich den Text gleichzeitig lesen und hören kann. Dank der heutigen Technologie ist das mittlerweile sehr einfach möglich. Wenn ich mir Inhalte aus einem Fachtext merken muss, visualisiere ich sie, da ich sie mir so deutlich besser einprägen kann. Oft benutze ich dazu Schlagwörter, formuliere keine ganzen Sätze und arbeite gerne mit Farben. Wahrscheinlich nutze ich ausserdem noch viele weitere Strategien unbewusst.
Vielen Dank für das Teilen Deiner Erfahrungen!