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Erfahrungsbericht Florian

Erfahrungsbericht Florian

 

 

 

 

 

 

 

Wie alt bist Du und wo befindest Du Dich gerade auf Deinem Bildungsweg?

Ich bin 20 Jahre alt und habe im September 2024 die Plattform Dysgalaxie ins Leben gerufen. Mit Dysgalaxie verfolge ich das Ziel, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Dyskalkulie zu unterstützen und ihnen zu zeigen, dass sie mit ihrer Lernbesonderheit nicht allein sind.
Die Plattform bietet Aufklärung, Austauschmöglichkeiten und praktische Hilfestellungen sowohl online als auch durch Workshops an Schulen. Mir ist es ein grosses Anliegen, das Bewusstsein für Dyskalkulie in der Gesellschaft zu stärken und offen über das Thema zu sprechen, das oft noch viel zu wenig verstanden wird.

Neben Dysgalaxie arbeite ich bei Denteo. Diese Tätigkeit bietet mir eine wertvolle Abwechslung und ermöglicht es mir, neue Perspektiven zu gewinnen – eine gute Balance zwischen beruflichem Alltag und meinem Herzensprojekt.

Wie hast Du herausgefunden, dass Du eine Lernstörung hast?

Das ist eine sehr gute Frage, da muss ich etwas ausholen. Erst in der 4. Klasse habe ich gemerkt, dass ich bei Mathematikaufgaben viel länger brauche als andere und Mühe habe, die Inhalte überhaupt zu verstehen. Dieses Gefühl hat sich dann durch die ganze Schulzeit gezogen, auch in der Sekundarschule.
Ich habe mir irgendwann eingeredet, dass Mathe einfach nicht mein Fach ist dass es mir halt einfach nicht liegt. Dabei wusste ich nicht, dass ich eigentlich Dyskalkulie habe. Kein Lehrer hat das je angesprochen oder einen Hinweis gegeben.
Erst im 10. Schuljahr hat mich mein Lehrer auf das Thema aufmerksam gemacht. Gemeinsam haben wir dann mit Karin Kucian eine Abklärung gemacht und dabei wurde festgestellt, dass ich tatsächlich Dyskalkulie habe.

Was waren und sind Deine größten Herausforderungen in Bezug auf die Lernstörung?

Die größte Herausforderung war es, die Dyskalkulie für mich selbst zu akzeptieren. Ich weiss, dass das nicht für jeden leicht ist auch für mich war es ein langer Weg. Der Umgang damit und das offene Sprechen darüber waren ebenfalls grosse Hürden.
Heute sehe ich viele Dinge nicht mehr als Herausforderungen, sondern eher als Aufgaben, die einfach etwas mehr Zeit benötigen. Im Alltag bedeutet das zum Beispiel, beim Einkaufen die Preise richtig zu berechnen oder die Arbeitsstunden korrekt auszurechnen das sind alles Dinge, die machbar sind, aber eben ein wenig mehr Zeit und Konzentration brauchen.

Was hat mir bei meiner Lernstörung geholfen?

Wenn ich zurückblicke, war es vor allem die Lerntherapie, die mir geholfen hat. Durch sie habe ich verschiedene Strategien kennengelernt, die mich im Alltag unterstützen. Auch der offene Umgang mit meiner Lernstörung und die Entscheidung, mich nicht dafür zu schämen, haben mir sehr gut getan.
Meine Arbeit bei Dysgalaxie zeigt mir, dass Dyskalkulie auch positive Seiten haben kann: Sie stärkt das Durchhaltevermögen und die Disziplin, weil man immer dranbleiben und hartnäckig sein muss.
Fangt an, die Dinge positiv zu sehen und diese Sichtweise auf euer ganzes Leben zu übertragen. Dyskalkulie kann etwas Schönes und Wertvolles sein.

Vielen Dank für Deinen Einblick, lieber Florian!

Weiterführende Informationen

Erfahrungsbericht Ole

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Hier erzählt Ole von seiner Dyslexie