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Erfahrungsbericht Constantin

Erfahrungsbericht Constantin*

*Name geändert

 

1. Wie alt bist Du und wo befindest Du Dich gerade auf Deinem Bildungsweg?

61 Jahre – Dr. Ing. agr. ETH – Angestellt (Lehrgangsleitung höhere Berufsbildung) 
und Selbstständig (Coaching, Organisationsentwicklung).

 

2. Wie hast Du herausgefunden, dass Du eine Lernstörung hast?

In der 3. Primarschule wurde ich mit unangenehmen Sondersettings und lästigem
Extraunterricht konfrontiert. Meine Schreibversuche waren meist unverständlich und
die Kombination von Wortauslassungen und Buchstabenverdrehungen war auch für 
wohlwollende Menschen schwierig zu verstehen (in der Schule gab es davon dann 
sowieso nicht so viele). 
Ausserdem wurden meine Rechtschreibfehler (bei Wörtertests – später bei Voci in 
Franz) als Faulheit und Lernunwillen bis hin zu reduzierter Intelligenz interpretiert.

3. Was waren und sind Deine grössten Herausforderungen in Bezug auf die 
Lernstörung?

Siehe auch oben – was die Vergangenheit betrifft.
Ich hatte eine lange Zeit, bis ich Strategien entwickelt hatte, mit meiner Legasthenie 
umzugehen. Einige Zeit habe ich dann nur noch Schweizerdeutsch geschrieben, was 
damals sogar mit amtlichen Stellen möglich war. 
Das Lesen (im Gegensatz zum Vorlesen) habe ich schnell für mich entdeckt und eine 
beachtliche Geschwindigkeit entwickelt (den Inhalt schnell erfasst und die wichtigste 
Aussage memoriert; Detailwörter, Namen und Ortschaften habe ich meist anders 
verstanden und gleich vergessen). 
Eine grosse Herausforderung ist nach wie vor das korrekte Schreiben von konkreten 
Wörtern (ich kann mir das Wortbild nicht merken) und bei Zeitdruck das Einhalten 
von vollständigen Sätzen. 

4. Was hilft Dir in Bezug auf Deine Lernstörung?

Das Schreiben ist heute noch eine Herausforderung und die aktuellen elektronischen 
Hilfen (Korrekturprogramme u.a.) ein Segen. 
Bis heute gibt es immer wieder Zeitpunkte, bei denen ich Wörter nachschlagen muss, 
weil ich nicht mehr weiss, wie sie buchstabiert werden (z.B. in diesem Text 
Legasthenie). Ich schreibe heute meist elektronisch und habe immer einen Browser 
geöffnet.


Vielen Dank für das Teilen Deiner Erfahrungen!