Erfahrungsbericht Marleen
Erfahrungsbericht Marleen*
*Name geändert
1. Wie alt bist Du und wo befindest Du Dich gerade auf Deinem Bildungsweg?
Ich bin zurzeit 26 Jahre alt und habe ein abgeschlossenes Masterstudium von der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät und erste Berufserfahrung im Bereich Medical Affairs in der Pharmaindustrie.
2. Wie hast Du herausgefunden, dass Du eine Lernstörung hast?
Nun so wie ich das verstanden habe, gibt es eine genetische Prädisposition und mein Vater und meine ältere Schwester haben ebenfalls Legasthenie, weshalb meine Mutter bei mir bereits früh eine ähnliche Kondition vermutete.
In der Schule gehörten Sprachengrundsätzlich zu meinen Lieblingsfächern. Ich mochte es mich auszudrücken und liebte Geschichten und Erzählungen und brachte mich gut und gerne ein, bei den Diktaten war ich jedoch immer eine der schlechtesten in der Klasse. Da ich sonst immer sehr gute Noten in der Schule erzielte und orthographische Fehler damit gut kompensieren konnte habe ich lang auf eine offizielle Abklärung verzichtet.
Erst kurz vor der obligatorischen Eintrittsprüfung in das Gymnasium mit 14 Jahren habe ich dann die Legasthenie auch bei einer Fachperson abklären lassen und erhielt eine offizielle Bestätigung.
3. Was waren und sind Deine grössten Herausforderungen in Bezug auf die Lernstörung?
Mittlerweile schreibe ich fast alles an einem Laptop mit integriertem Korrekturprogramm, dennoch unterlaufen mir regelmässig gewisse Orthographiefehler.
Diese nehmen jeweils zu,wenn ich unkonzentriert oder müde bin. Vor allem bei wichtigen E-Mails muss ich daher jeweils etwas aufpassen. Ich glaube die Arbeit hat mir etwas geholfen mich zu fokussieren, ich wurde angehalten kurze prägnante Sätze für meine Materialien zu formulieren an Stelle von langen verschachtelten Prosa-Sätzen. Das hat mir geholfen mich nicht zu verlieren.
Ich glaube eine grosse Herausforderung für mich persönlich ist ein wenig die eingeschlichene Unsicherheit. Wenn ich mich gestresst fühle, zeigt sich die Legasthenie stärker (oder sie fällt mir mehr auf) und ich muss mir bewusst manchmal etwas mehr Zeit nehmen etwas konzentriert zu lesen oder schreiben.
4. Was hilft Dir in Bezug auf Deine Lernstörung?
Klar, die Rechtschreibprogramme! Diese sind super und die Vorschläge entsprechen oft exakt den Worten, die ich ursprünglich verfassen wollte. Als Kind habe ich zwischenzeitlich auch eine Expertin besucht, diese merkte, dass ich mir gut Regeln merken kann; und so habe ich mit ihr Wortstämme geübt. Anhand eines Stammes habe ich jeweils versucht möglichst viele Worte zu formulieren, am Ende musste ich mir nur den Stamm merken, um all die daraus resultierenden Worte richtig zu schreiben.
Wenn ich mir also heute bei gewissen Worten unsicher bin, versuche ich auch den unterliegenden Wortstamm zu finden um das Wort korrekt zu schreiben.
Vielen Dank für das Teilen Deiner Erfahrungen!